Martin hatte diesen Raum gern nach Feierabend benutzt.
Er glaubte, die Kamera sei seit Monaten defekt.
Das hatte Kevin ihm erzählt, nachdem ein Monitor im Sicherheitsbüro ausgefallen war.
Der Monitor war tatsächlich kaputt gewesen.
Die Kamera nicht.
Der Ermittler verband die Festplatte mit einem Laptop.
Rachel drehte den Bildschirm so, dass alle ihn sehen konnten.
Das erste Video war sechs Wochen alt.
Martin saß im Besprechungsraum.
Neben ihm standen Claire und Kevin.
Auf dem Tisch lagen Rechnungen und ein Firmenstempel.
Martins aufgezeichnete Stimme war klar.
“Wir ziehen das bis Januar durch.
Dann ist genug draußen, um die neue Gesellschaft zu starten.”
Kevin fragte: “Und wenn Daniel es merkt?”
Claire antwortete, bevor ihr Vater es konnte.
“Daniel merkt, was ich ihn merken lasse.
Er glaubt immer noch, Familie bedeute etwas.”
Im Pausenraum senkten mehrere Menschen den Blick.
Auf dem Video schob Martin einen Stapel Papiere zu Claire.
“Sobald die Scheidung läuft, verlangst du deinen Anteil.
Wenn du das Haus, die Konten und einen Teil der Firma bekommst, können wir den Rest übernehmen.”
Claire schüttelte den Kopf.
“Die Firma gehörte ihm schon vor der Ehe.”
“Dann behauptest du, du hättest sie mit aufgebaut.
Ein Richter wird einer Ehefrau glauben, nicht einem Handwerker, der nie zu Hause ist.”
Martin lächelte auf der Aufnahme.
Es war dasselbe Lächeln, mit dem er Sophie hinausgeschickt hatte.
“Solange Daniel nichts merkt, gehört uns die Firma bald sowieso.”
Das Video endete.
Claire stand regungslos da.
Ihr Handy glitt ihr beinahe aus der Hand.
Martin zeigte auf den Laptop.
“Das wurde zusammengeschnitten.”
Der Ermittler schloss den Bildschirm nicht.
“Wir besitzen die Originaldateien mit Zeitstempeln.
Außerdem haben wir die Zugangsprotokolle, die zu den Aufnahmen passen.”
Kevin trat vom Tisch zurück.
“Ich wusste nichts von der Scheidungssache.”
“Du sitzt im Video”, sagte Claire.
“Ich dachte, es geht nur um Nebenaufträge.”
“Nebenaufträge?”, rief Linda.
“Du hast mir gesagt, die Firma auf meinen Namen sei vollkommen legal.”
Innerhalb weniger Sekunden begann die Familie, sich gegenseitig zu zerlegen.
Jeder Satz, der früher gegen mich gerichtet gewesen wäre, traf nun jemand anderen.
Ein Cousin beschuldigte Martin, seine Tankkarte benutzt zu haben.
Ein Schwager behauptete, Kevin habe Stunden für ihn eingetragen.
Linda verlangte von Claire, sofort alles zu erklären.
Martin versuchte, sie zu übertönen.
“Niemand sagt mehr ein Wort.
Daniel blufft.
Er wird seine eigene Familie nicht anzeigen.”
Ich sah ihn lange an.
“Ihr habt mir an Heiligabend sehr deutlich erklärt, dass wir keine Familie sind.”
Zum ersten Mal wich er meinem Blick aus.
Die Ermittler nahmen Martin, Kevin und Linda nicht sofort fest.